Zwischen Afrika und Europa spannen Anja Nduka, Larry Nduka und Raymond Ekpe ein Netz. Die Knoten des Netzes bestehen aus emotionaler Verbundenheit, familiärer Zugehörigkeit und aus materiellen Verpflichtungen. Verankert ist das Netz in Deutschland, Nigeria und Togo.
Manche bezeichnen diese Art Verknüpfungen als Entwicklungszusammenarbeit, verstehen sie als Folge globalisierter Lebensverhältnisse und/oder Migrationsbewegungen. Für Ekpe sowie Larry und Anja Nduka gehört es zum Alltag, sich zwischen verschiedenen Kulturen und zwischen gegensätzlichen wirtschaftlichen und sozialen Standards und Lebensverhältnissen zu bewegen; und es hinterlässt Spuren: Mit Harry Roos von „now – Hilfe für Straßenkinder“ unterhielten sich Anja und Larry Nduka von „africare“ und Ekpe vom „Entwicklungsprojekt für Frauen- und Kinderhilfe in Afrika“ über das Thema: „Wenn das Engagement zur Bürde wird: Eine-Welt-Arbeit zwischen der Last der Betroffenheit und dem Druck zur Professionalisierung“.
„Ich habe in Togo als Lehrer gearbeitet und habe Menschen leiden sehen; es ist meine Berufung zu helfen“, berichtet Ekpe knapp. „Ich gehe immer weiter“, ergänzt er und klingt dabei wie sein eigener Motivationstrainer. Welche physische und emotionale Last das jahrelange Engagement Ekpe abverlangt, wird deutlich, wenn er sich zwischendurch müde über die Augen fährt und erzählt: „Meine Frau ist böse, weil ich keine Zeit habe.“ Vor allem durch die örtliche Kirchengemeinde erfährt Ekpe Unterstützung. Manche Kollekte ist bereits dem „Entwicklungsprojekt für Frauen- und Kinderhilfe in Afrika“ gewidmet worden, um unter anderem die Ausbildung junger Frauen in Vokoutimé östlich der Hauptstadt Lomé finanzieren zu helfen. Über die Jahre hat Ekpe Kontakte zu Menschen aufgebaut, die seiner Arbeit vertrauen und ihn mit Sachspenden unterstützen. Das bedeutet, dass er die Gegenstände eine längere Zeit lagern und Geld für den Transport des Containers einwerben muss, bevor er ihn nach Togo verschiffen kann. Für manchen Handgriff in der Vereinsarbeit wünschte sich Ekpe tatkräftige Unterstützung durch andere MigrantInnen, doch „viele haben ihren Job und der Kühlschrank ist voll, da besteht kein Interesse, zu helfen“.
Die Schwierigkeit, das Interesse der MigrantInnen für Vereins- und Kulturarbeit zu gewinnen, kennen auch Anja und Larry Nduka, die sich in einem Dorf im Südosten Nigerias engagieren. „Die Heimat der Familien ist jetzt hier, aber die Kinder müssen doch etwas über das Herkunftsland ihrer Eltern erfahren“, wünscht sich Larry Nduka, „doch viele Westafrikaner wollen das gar nicht und wenn wir sie einladen, kommen sie nicht.“
„Mit unserer Vereinsarbeit wollen wir den Menschen in Ekpiri Ala-ala helfen, dem Dorf, in dem die Großeltern meines Mannes leben. Außerdem wollen wir mit unseren Veranstaltungen, wie afrikanischen Festen, einen Beitrag für ein tolerantes Miteinander und gegen Rassismus leisten“, sagt Anja Nduka. Die Zurückhaltung gegenüber der öffentlichen Beschäftigung mit dem Herkunftsland erklärt sich Anja Nduka mit dem Wunsch von MigrantInnen, nicht mit Not, Leid und Korruption des betreffenden Landes in Verbindung gebracht zu werden. „In der Presse fehlt bei der Berichterstattung über Entwicklungsländer meist das Positive“, weiß Harry Roos zu berichten, der sich in einem Projekt mit diesem Thema auseinandersetzte.
Diese Einschätzung teilt Anja Nduka, die erlebte, dass sie sich bei MigrantInnen für ihr Engagement rechtfertigen musste: „Es geht uns gar nicht so schlecht und Du schadest unserem Image“, sind Argumente, die sie zu hören bekam. „Solche Verallgemeinerungen helfen uns nicht weiter, natürlich hat jedes Land seine Probleme, auch wir hier in Deutschland – und doch schicken die meisten MigrantInnen Geld nach Hause, um die Probleme der Menschen dort zu lindern.“
Wird ihrem Engagement in Deutschland oftmals mit Skeptizismus begegnet, erfahren Anja und Larry Nduka, Raymond Ekpe und Harry Roos in den afrikanischen Ländern viel Zuspruch. „Die Menschen in Südafrika haben uns ermutigt und uns Gottes Segen gewünscht“, erinnert sich Harry Roos, dessen Verein ein Tageszentrum für Jugendliche in Kapstadt betreibt. „Wir sind nicht weit weg in der Hauptstadt, sondern vor Ort, wo wir mit den Menschen sprechen, ihre Wünsche und Bedürfnisse kennen und helfen“, so erklärt sich Larry Nduka die Anerkennung auch durch die nigerianischen Bezirksvertreter. „Die Regierung in Togo unterstützt das Projekt“, berichtet Ekpe froh und und schöpft nicht zuletzt aus diesen Ermutigungen die Kraft, mit der Vereinsarbeit fortzufahren. „Die Belastungen für die Familie sind hoch und manchmal schaue ich dann ein paar Tage auch nicht in meine Mailbox“, sagt Anja Nduka nachdenklich, um dann fortzufahren: „Wir haben unseren Reichtum auf Kosten anderer erworben und wir müssen davon wieder zurückgeben.“