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Zukunft der Weltläden – Weltläden der Zukunft

Auf Initiative des Kieler Weltladens und mit Genehmigung von Martin Klupsch vom Bonner Weltladen hier sein Beitrag zum Thema „Zukunft der Weltläden“, der am 6. April im Forum auf der EL PUENTE-Homepage veröffentlicht wurde:

Da ich verschiedentlich danach gefragt wurde, stelle ich im Folgenden den Text, der die Grundlage meiner Beiträge bei den Seminaren in Nordstemmen und Würzburg bildete, ins Forum. Kommentare und Anmerkungen sind ausdrücklich erwünscht.

Die Frage nach der Zukunft der Weltläden kann man auch „Warum Weltläden?“ formulieren. Warum gibt es Weltläden? Was macht sie wichtig, notwendig, unverzichtbar? Was leisten sie, was ohne sie fehlen würde? Was „rechtfertigt“ den Einsatz 10.000er Freiwilliger in den Weltläden und Aktionsgruppen? Warum sollen ungezählte Menschen ihre Freizeit und ihr Engagement in diesen Bereich einbringen? Wofür braucht es Weltläden?

Eine Antwort, die auch in aktuellen Beiträgen zur Zukunftsdiskussion häufig gegeben wird, lautet: Es braucht Weltläden, um die Produkte der HandelspartnerInnen zu verkaufen, sie an den Mann und an die Frau zu bringen. Und Weltläden sollen „professioneller“ werden, in Toplagen umziehen, bezahltes Verkaufspersonal haben, um für die ProduzentInnen noch mehr Umsatz zu machen.

Zu Beginn des Fairen Handels waren Weltläden (und Aktionsgruppen) tatsächlich die wesentlichen Absatzkanäle für dessen Artikel. Zunächst war es sogar ein Monopol, welches erst Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts aufgeweicht wurde, als Artikel der GEPA auch in einzelnen Supermärkten angeboten wurden. Die Einführung des TransFair-Siegels Anfang der 90er Jahre weitete das Angebot fair gehandelter Produkte in Supermärkten und Discountern mehr oder weniger flächendeckend aus, zunächst nur für Kaffee, über die Jahre für immer mehr Artikel. War diese Konkurrenz auch von den Weltläden häufig stark befürchtet worden, so stellte es sie als wichtigsten Vertriebskanal für fair gehandelte Produkte doch zunächst nicht in Frage.

Heute stellt sich die Situation grundlegend anders dar: Aufgrund der starken Ausweitung des FT-Sortiments und der Anbieter bis hin zum Discounter Lidl und Tchibo, ist der Anteil der Weltläden und Aktionsgruppen am FT-Umsatz deutlich gesunken. Zwar spielen die Weltläden in Deutschland noch eine vergleichsweise große Rolle, gemessen am Gesamtumsatz fair gehandelter Artikel reduziert sich der Anteil aber auf eine Größenordnung von geschätzten 2-3 Prozent -Tendenz weiter sinkend. Das Argument, dass es Weltläden braucht, um für die ProduzentInnen die Waren zu verkaufen, verliert also zunehmend an Gültigkeit und Gewicht.

Wenn nun aber die Notwendigkeit von Weltläden als Absatzkanäle fair gehandelter Produkte nicht mehr gegeben ist bzw. deren Bedeutung zunehmend marginal wird, wenn sich zeigt, dass auch in Deutschland immer mehr fair gehandelte Produkte im „normalen“ Handel verkauft werden, wenn dazu die Sorge der zunehmenden Konkurrenz und vielleicht stagnierende oder gar rückläufige Umsätze kommen, dann stellt sich ganz deutlich die Frage nach dem „Warum“. Ist das Engagement der Freiwilligen dann nicht besser in anderen Aktivitäten aufgehoben, wo sie sich z.B. dafür einsetzen, fair gehandelte Produkte im Normalhandel weiter zu etablieren? Eigene Läden braucht es dafür nicht. Und als „Fundraising-Methode“ zur Projektunterstützung gibt es wesentlich effektivere Methoden.

Angesichts dieser Situation kann man denn auch immer wieder einmal die These vernehmen, die Weltläden wären überflüssig geworden, da es die fair gehandelten Produkte ja flächendeckend im konventionellen Handel gibt.

An dieser Stelle lohnt ein Blick zurück in die Geschichte des Fairen Handels.
Warum gibt es überhaupt Weltläden? Was war der Gründungsimpuls, welche Ziele wurden verfolgt? Und da sehen wir, dass es von Anfang an nicht einfach nur ums Verkaufen ging:

Am Anfang des Alternativen Handels stand nicht ein Produkt oder Handelspartner, war nicht eine Aktionsgruppe oder ein Weltladen. Am Anfang des Alternativen Handels stand eine Erkenntnis: Die Einsicht, dass die herrschenden Wirtschaftsstrukturen einseitig zum Vorteil des (entwickelten) Nordens und zum Nachteil des (in Unterentwicklung gehaltenen) Südens, häufig ehemaliger Kolonien, funktionieren. Die Einsicht, dass es historische und strukturelle Ursachen der Unterentwicklung gibt. Die Einsicht, dass Entwicklung und Unterentwicklung, Reichtum und Armut, unser Reichtum und „deren“ Armut, etwas miteinander zu tun haben. Die Einsicht, dass es kein unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt geben kann. Die Einsicht, dass die Erde alle Menschen ausreichend ernähren kann, dass Hunger nicht im Mangel an Nahrungsmitteln begründet ist, sondern dass es sich um ein Verteilungsproblem handelt, um einen Mangel an Kaufkraft. Die Einsicht, dass wir über unsere Verhältnisse und auf Kosten anderer leben, daß sich an unserem Konsumverhalten, an unserem Lebensstil etwas ändern muß, wenn alle leben sollen und der ökologische Kollaps verhindert werden soll.

Eine Konsequenz aus den gewonnen Erkenntnissen war, dass man eine andere, eine Neue Weltwirtschaftsordnung forderte, welche die strukturelle Benachteiligung der Länder des Südens aufheben sollte. Man wollte nicht weniger als einen Systemwechsel, und damit waren nicht Neoliberalismus und Turbo-Kapitalismus gemeint. Der Verkauf, der konkrete Handel und mit ihm die Weltläden waren Ergebnis und Ausdruck der Einsicht in ungerechte Handelsstrukturen. Der Alternative Handel verdeutlichte diese und die Notwendigkeit ihrer Überwindung und lieferte mit dem Verkauf von Produkten besonders benachteiligter ProduzentInnen zugleich eine Praxis und ein Beispiel für die Überwindung, für eine Alternative. Das ist – verkürzt – gemeint, wenn vom Alternativen Handel als einem Lern-, Bildungs- und Aktionsmodell die Rede ist.

An der Gültigkeit der Analyse und Bestandsaufnahme, an der Notwendigkeit eines Systemwechsels, hat sich nicht geändert. Die ungerechten Strukturen wirken noch immer, und auch unser Konsum hat noch längst kein nachhaltiges Niveau erreicht.
Was sich aber verändert hat, ist der Faire Handel.

Aus der politischen Initiative des Alternativen Handels mit dem Ziel der Überwindung struktureller Ungerechtigkeiten, mit dem Ziel, die Regeln des Handels so umzugestalten, dass der Alternative Handel letztlich überflüssig wird, aus dieser Initiative und Bewegung ist nach und nach eine Vermarktungsinitiative für fair gehandelte Produkte geworden, die sich mehr und mehr am Bedarf und an den Wünschen des Handels (und der VerbraucherInnen) hier, im Norden, orientiert. Ziel ist, den Absatz fair gehandelter Artikel – zum Wohl der ProduzentInnen – zu erhöhen, die Frage nach den Ursachen, die so etwas wie Fairen Handel erst notwendig werden lassen, wird nicht gestellt. Die Frage nach sinnvoller Entwicklung in den Ländern des Südens (und bei uns) wird nicht gestellt. Unser Konsum und Lebensstil werden nicht in Frage gestellt, sondern mit einem Siegel legitimiert. „Konsum gegen Armut“ – dieser Slogan der „Informationskampagne“ „Fair feels good“ treibt diese Ausrichtung auf die Spitze. Aus einer systemkritischen Bewegung auf der Suche nach Alternativen ist weitgehend eine systemkonforme Vermarktungsinitiative geworden. Der Faire Handel ist, so wird häufig mit Stolz vorgetragen, in der Mitte der Gesellschaft, im Mainstream angekommen – was bei näherem Hinsehen nichts anderes bedeutet, als dass der Faire Handel in das System integriert ist, welches zu ändern er angetreten ist.

Fragen wir uns: Was bedeutet es, im Mainstream einer Gesellschaft angekommen zu sein, in der die Zahl der Armen zunimmt und die Schere zwischen Armen und Reichen sich immer weiter öffnet? In der es keinen flächendeckenden Mindestlohn gibt und viele Menschen in Vollbeschäftigung unter der Armutsgrenze leben. In der Milchbäuerinnen und Milchbauern streiken, weil der Handel die Preise unter die Produktionskosten drückt. In der das Verschrotten völlig intakter und gebrauchsfähiger Autos (also privater Vermögenswerte) mit 2.500 Euro aus öffentlichen Mitteln (sprich: Steuergeldern) prämiert wird. Die auf dem besten Weg ist, Konsum zur ersten Bürgerpflicht zu erklären, ohne das auch nur irgendjemand danach fragt, was und wofür konsumiert wird, fragt, wo und worin denn der Bedarf besteht. Konsum ist endgültig und offensichtlich zum Selbstzweck geworden. Ein Skandal angesichts hunderter Millionen Menschen, die nicht einmal annähernd ihre Grundbedürfnisse decken können.

„Aber der Faire Handel der Weltläden setzt doch andere Akzente!“ mag jetzt manch eineR einwenden. Es stimmt: Von vielen Gesprächen weiß ich, dass ein Großteil der Aktiven in den Weltläden ein anderes Selbstverständnis hat. Sie stellen die Mechanismen der Ausbeutung durchaus in Frage und verstehen ihr Engagement als Beitrag zu deren Überwindung. Sie wissen: Überflüssig wird der Faire Handel nicht dann, wenn alles, was es im Weltladen zu kaufen gibt, auch im normalen Handel zu bekommen ist, sondern wenn der Handel, die Regeln des Handels insgesamt „fair“ geworden sind. Für sie geht es nicht nur (vielleicht noch nicht einmal in erster Linie) um den Verkauf. Es klafft eine Lücke zwischen der Einstellung/Motivation zahlreicher WeltladenmitarbeiterInnen und der Darstellung/den Zukunftsentwürfen von und für Weltläden, wie sie z.B. vom Weltladen-Dachverband oder der GEPA und anderen verbreitet werden. Es klafft eine Lücke zwischen dem eigenen Verständnis, der eigenen Vorstellung, was Fairer Handel sein sollte, und dem, wie der „Faire“ Handel sich entwickelt. Diese Lücke zeigt sich auch auf Plakaten, in Broschüren und sonstigen Materialien. Mit welchen Aussagen und Inhalten gehen die ATOs und der Weltladen-Dachverband an die Öffentlichkeit? Welche Botschaften transportieren aktuelle Plakate für die Weltladen-Deko? „Fairrückt“, „Fairliebt“, „Fairführt“ und „Fairzückt“ u.s.w. titeln die „Image-Plakate“ des Weltladen-Dachverbands. Wer in einen Weltladen gerät, ohne zu wissen, um was für einen Laden es sich handelt, ist angesichts dieser Plakatierung wahrscheinlich einigermaßen fairwirrt.

„Systemwechsel“ – so titelte nicht ein Fairhandels-Magazin, sondern der medico-Rundbrief vom Herbst 2008 und schreibt im Editorial: „Dem Zusammenbruch der neoliberalen Ideologie beizuwohnen, ist ein historischer Moment.“ Zeitgleich ist ein Schwerpunktthema der Winterausgabe des vom Weltladen-Dachverband herausgegebenen Weltladen-Magazins „Welt&Laden“ der „Wohntrend Cocooning“: „Einspinnen in ein gemütliches Zuhause“: „Sich behaglich verkriechen, und bei einer heißen Tasse Tee den Winter überstehen …“.

Seit geraumer Zeit sehen wir in Materialien zum Fairen Handel fast nur noch fröhliche, glückliche Menschen, oft ProduzentInnen/Handelspartner, denn „niemand möchte dauernd mit dem Elend der Welt konfrontiert werden“, wie das formelhafte Argument zu solchen „schönen“ Plakaten lautet. Das stimmt, aber zwischen „dauernd“ und „gar nicht“ gibt es einige Abstufungen. Ein aktuelles Plakat der GEPA titelt „Entdecke die Welt“. Zur Entdeckung der Welt gehört aber eben auch die Schattenseite, gehört die Auseinandersetzung mit den Schrecken der Welt. Und ich kenne viele (und das schließt mich ein), die durch die Konfrontation mit den Schrecken der Welt, aus der Wut darüber und dem Bedürfnis, ihnen etwas entgegen zu setzen, zu ihrem Engagement (auch für den Fairen Handel) gekommen sind.

Die Weltläden der Zukunft müssen sich in dem veränderten und sich weiter verändernden Feld des Fairen Handels positionieren und ein eigenes Profil entwickeln, das sie vom kommerziellen, trans-fairen Handel deutlich abhebt.

Die Weltläden müssen den Blick wieder auf Strukturen, Profiteure und Täter der Ungerechtigkeit und Ausbeutung lenken. Neben dem Verkauf muß wieder betont werden, dass die Veränderung der Strukturen, des Systems, das Hilfe erst notwendig macht, das eigentliche Ziel ist. Da dies vom kommerziellen transfairen Handel nicht zu erwarten ist, ergibt sich hier – und zwar deutlich mehr und schärfer als über das Sortiment – auch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für die Weltläden und ein ganz wesentliches Argument für ihre Existenz.

Die Zukunft der Weltläden liegt nicht in immer „schickeren“ Läden und immer „professionelleren“ VerkäuferInnen. Um nicht missverstanden zu werden: Weltläden sollen gut und ansprechend aussehen und zum Eintreten, Verweilen und Kaufen einladen. Das Verkaufspersonal soll kompetent und freundlich sein. Aber das sind Selbstverständlichkeiten, wenn man einen Laden betreibt, und bei den allermeisten Weltläden Realität. Hier ist ohne Zweifel in den vergangenen Jahren viel erreicht worden. Aber verkaufen können „richtige“ Läden im Zweifel immer noch besser. Die Zukunft der Weltläden liegt in dem, was der „normale“ Handel nicht bieten kann, nicht bieten will und nicht bieten wird: Die Verknüpfung von (entwicklungs-)politischer Information und Bildungsarbeit mit dem Verkauf fair gehandelter Produkte, und das in der Fläche und auch in kleinen Orten, in denen ein nach wirtschaftlichen Kriterien funktionierender Laden sowieso keine Chance hätte. Der entscheidende Faktor für die Profilierung der Weltläden ist nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern das inhaltliche Profil.

Der Weltladen der Zukunft nimmt wieder (wie in den Anfängen) „das Ganze“ in den Blick. Wenn es strukturelle Ursachen, eine strukturelle Ungerechtigkeit gibt, dann ist sie nicht auf den Süden beschränkt. Gerechtigkeit ist unteilbar und wo Strukturen des Handels- bzw. Wirtschaftssystems Ungerechtigkeit hervorbringen, macht die Unterscheidung zwischen Süd und Nord, „dort“ und „hier“ keinen Sinn. Dann erkennen wir: Zum einen werden die Strukturen vielfach von uns bestimmt – daher müssen wir hier ansetzen, um sie zu verändern. Und wir erkennen: auch bei uns gibt es (zunehmend) Opfer dieser ausbeuterischen Strukturen. Weltläden informieren, laden zum Mitmachen ein, fordern zum Einmischen auf, bieten – mit ihrem (Produkt- und Informations-)Angebot konkrete Handlungsmöglichkeiten. Wir erkennen weiter: es gibt zahlreiche Initiativen, Gruppen, Verbände, die sich für Veränderungen in dieser Gesellschaft einsetzen. Der Weltladen der Zukunft unterstützt solche Gruppen und kooperiert mit ihnen.

Die folgende Liste ist sicher unvollständig, und die konkrete Ausgestaltung wird im gemeinsamen Austausch der Weltläden, die ein entsprechendes Selbstverständnis teilen, geschehen. Ich möchte nur einige stichwortartige Anregungen und Beispiele geben, welche Praxis einen Weltladen der Zukunft kennzeichnen könnte. Dabei sind die meisten Beispiele der Praxis verschiedener Weltläden entnommen, d.h. keine Zukunftsmusik, sondern bereits gelebter Weltladen.

Weltläden der Zukunft

  1. Wissen, dass Wirtschaftswissenschaft keine Naturwissenschaft ist und die Regeln des Marktes keine Naturgesetze.
  2. Arbeiten in lokalen, regionalen und überregionalen Netzwerken mit Initiativen zusammen, die ebenfalls die Prämissen des Wirtschaftens umkehren wollen, die unter den herrschenden Prämissen zu Opfern des Systems werden. Dies kann kontinuierlich oder punktuell zu einzelnen Themen und Aktionen geschehen.
  3. Benennen Täter, Opfer und Profiteure herrschender Wirtschafts- und Machtstrukturen
  4. Diskutieren Entwicklungsmodelle (In welcher Gesellschaft wollen wir leben?)
  5. Sie diskutieren ihr Verständnis von Fairem Handel und formulieren und kommunizieren dies ggf. auch in Abgrenzung und im Gegensatz zu Trittbrettfahrern oder Siegelorganisationen oder auch Importorganisationen.
  6. Weltläden der Zukunft thematisieren ungerechte Strukturen im Süden und bei uns. Sie machen deutlich, dass ein Lidl mit einem Dutzend fairer Produkte im Regal oder ein Tchibo mit ein zwei fairen Kaffeesorten immer noch mehr Teil des Problems als Teil der Lösung sind. Sie setzen sich dafür ein, dass die Kriterien für Fairen Handel entsprechend enger gefasst werden oder distanzieren sich von unzureichenden Kriterien für das FairTrade-Label ebenso wie von entwicklungspolitisch und ökologisch unsinnigen Entwicklungen. (Beispiele hierfür sind transfair-zertifizierte Baumwolle, wobei für das fertige Textil/Kleidungsstück für die Verarbeitung lediglich die Kernnormen der ILO gelten müssen, gleichwohl aber das TF-Label das fertige Produkt schmückt; transfair-gesiegelter Apfelsaft aus Südafrika sowie transfair-zertifizierte frische Äpfel, Birnen und Pflaumen aus dem Süden; Vertrieb fairer Produkte über unfaire Kanäle (Lidl); – Sie gewinnen die fahrlässig und unnötig aufgegebene Definitionsmacht darüber, was „fair“ ist zurück – oder wählen einen anderen Begriff (z.B. partnerschaftlicher oder solidarischer Handel).
  7. Zielen mit ihren Kampagnen auf eine Thematisierung und Veränderung „unfairer“ und ungerechter Regeln und Strukturen im Welthandel (Wie wäre es z.B. mit einer Kampagne, die das Ziel hat, den Handel mit und den Verkauf von Produkten zu verbieten, die unter Bedingungen hergestellt werden, die bei uns verboten sind, z.B. ausbeuterische Kinderarbeit. Der Handel mit diesen Artikeln würde Hehlerei darstellen und wäre strafbar. Im Bereich Kindesmißbrauch durch Sextouristen ist ein solches Vorgehen bereits möglich: Straftaten, die im Ausland begangen werden, können hier verfolgt und bestraft werden. Entsprechend könnte doch der Handel verpflichtet werden, sicherzustellen, dass die Produkte, die er anbietet, nicht unter menschenverachtenden und bei uns verbotenen Produktionsbedingungen hergestellt wurden.)
  8. Sie setzen sich für Fairen Handel auch im eigenen Land ein. So wie einige Handelspartner im Süden eigene Läden in ihren Ländern betreiben (Süd-Süd-Handel, der oft als beispielhaft angeführt wird), so finden sich im Weltladen der Zukunft selbstverständlich fair produzierte und gehandelte Produkte aus der Region und aus Europa. Vom Apfelsaft und Honig aus der Region über Olivenöl aus Kreta und Tomatenkonserven aus Italien bis hin zu Produkten aus Behindertenwerkstätten (von denen z.B. auch die Ladeneinrichtung, Displays, etc. hergestellt werden kann.) Und dies sind keine „Ergänzungsprodukte“, sondern fester Sortimentsbestandteil. Über den Verkauf werden lokale und regionale Netzwerke geknüpft und Initiativen wirtschaftlich unterstützt.

Um ein Bild von vorhin aufzugreifen: In der Hauptströmung (nichts anderes heißt „Mainstream“) ist – wie der Name sagt, die Strömung am stärksten. JedeR, der/die schon einmal in einem großen Strom geschwommen oder gepaddelt ist, weiß, dass man in der Mitte des Stroms, in der Hauptströmung, nicht mehr wirklich schwimmen kann, schon gar nicht gegen den Strom. Man kann sich treiben lassen, aber die Richtung wird durch die Strömung bestimmt und nicht durch den Schwimmer. Man kommt nicht mehr gegen die Strömung an und eine Richtungsänderung ist praktisch unmöglich. Zukunft und Perspektive für die Weltladenbewegung liegen in Ufernähe und nicht im Mainstream. In Ufernähe ist es mit vergleichsweise wenig Anstrengung möglich, auch gegen den Strom zu schwimmen. Auch Staumauern und Kanäle (um den Strom umzuleiten) baut man vom Ufer aus. Und schließlich findet sich am Ufer und in den Kehrwässern auch das „Strandgut der Globalisierung“. Um eine Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Weltläden und den Weltläden der Zukunft anzudeuten: Nicht der Faire Handel muß im Mainstream ankommen, der Mainstream muß fair werden! Dieses Motto müssen sich die Weltläden (wieder) unübersehbar auf die Fahnen und Plakate schreiben.

Martin Klupsch

Eine-Welt-Arbeit zwischen Ermutigung und Ermüdung

Zwischen Afrika und Europa spannen Anja Nduka, Larry Nduka und Raymond Ekpe ein Netz. Die Knoten des Netzes bestehen aus emotionaler Verbundenheit, familiärer Zugehörigkeit und aus materiellen Verpflichtungen. Verankert ist das Netz in Deutschland, Nigeria und Togo.
Manche bezeichnen diese Art Verknüpfungen als Entwicklungszusammenarbeit, verstehen sie als Folge globalisierter Lebensverhältnisse und/oder Migrationsbewegungen. Für Ekpe sowie Larry und Anja Nduka gehört es zum Alltag, sich zwischen verschiedenen Kulturen und zwischen gegensätzlichen wirtschaftlichen und sozialen Standards und Lebensverhältnissen zu bewegen; und es hinterlässt Spuren: Mit Harry Roos von „now – Hilfe für Straßenkinder“ unterhielten sich Anja und Larry Nduka von „africare“ und Ekpe vom „Entwicklungsprojekt für Frauen- und Kinderhilfe in Afrika“ über das Thema: „Wenn das Engagement zur Bürde wird: Eine-Welt-Arbeit zwischen der Last der Betroffenheit und dem Druck zur Professionalisierung“.

„Ich habe in Togo als Lehrer gearbeitet und habe Menschen leiden sehen; es ist meine Berufung zu helfen“, berichtet Ekpe knapp. „Ich gehe immer weiter“, ergänzt er und klingt dabei wie sein eigener Motivationstrainer. Welche physische und emotionale Last das jahrelange Engagement Ekpe abverlangt, wird deutlich, wenn er sich zwischendurch müde über die Augen fährt und erzählt: „Meine Frau ist böse, weil ich keine Zeit habe.“ Vor allem durch die örtliche Kirchengemeinde erfährt Ekpe Unterstützung. Manche Kollekte ist bereits dem „Entwicklungsprojekt für Frauen- und Kinderhilfe in Afrika“ gewidmet worden, um unter anderem die Ausbildung junger Frauen in Vokoutimé östlich der Hauptstadt Lomé finanzieren zu helfen. Über die Jahre hat Ekpe Kontakte zu Menschen aufgebaut, die seiner Arbeit vertrauen und ihn mit Sachspenden unterstützen. Das bedeutet, dass er die Gegenstände eine längere Zeit lagern und Geld für den Transport des Containers einwerben muss, bevor er ihn nach Togo verschiffen kann. Für manchen Handgriff in der Vereinsarbeit wünschte sich Ekpe tatkräftige Unterstützung durch andere MigrantInnen, doch „viele haben ihren Job und der Kühlschrank ist voll, da besteht kein Interesse, zu helfen“.
Die Schwierigkeit, das Interesse der MigrantInnen für Vereins- und Kulturarbeit zu gewinnen, kennen auch Anja und Larry Nduka, die sich in einem Dorf im Südosten Nigerias engagieren. „Die Heimat der Familien ist jetzt hier, aber die Kinder müssen doch etwas über das Herkunftsland ihrer Eltern erfahren“, wünscht sich Larry Nduka, „doch viele Westafrikaner wollen das gar nicht und wenn wir sie einladen, kommen sie nicht.“

„Mit unserer Vereinsarbeit wollen wir den Menschen in Ekpiri Ala-ala helfen, dem Dorf, in dem die Großeltern meines Mannes leben. Außerdem wollen wir mit unseren Veranstaltungen, wie afrikanischen Festen, einen Beitrag für ein tolerantes Miteinander und gegen Rassismus leisten“, sagt Anja Nduka. Die Zurückhaltung gegenüber der öffentlichen Beschäftigung mit dem Herkunftsland erklärt sich Anja Nduka mit dem Wunsch von MigrantInnen, nicht mit Not, Leid und Korruption des betreffenden Landes in Verbindung gebracht zu werden. „In der Presse fehlt bei der Berichterstattung über Entwicklungsländer meist das Positive“, weiß Harry Roos zu berichten, der sich in einem Projekt mit diesem Thema auseinandersetzte. Diese Einschätzung teilt Anja Nduka, die erlebte, dass sie sich bei MigrantInnen für ihr Engagement rechtfertigen musste: „Es geht uns gar nicht so schlecht und Du schadest unserem Image“, sind Argumente, die sie zu hören bekam. „Solche Verallgemeinerungen helfen uns nicht weiter, natürlich hat jedes Land seine Probleme, auch wir hier in Deutschland – und doch schicken die meisten MigrantInnen Geld nach Hause, um die Probleme der Menschen dort zu lindern.“
Wird ihrem Engagement in Deutschland oftmals mit Skeptizismus begegnet, erfahren Anja und Larry Nduka, Raymond Ekpe und Harry Roos in den afrikanischen Ländern viel Zuspruch. „Die Menschen in Südafrika haben uns ermutigt und uns Gottes Segen gewünscht“, erinnert sich Harry Roos, dessen Verein ein Tageszentrum für Jugendliche in Kapstadt betreibt. „Wir sind nicht weit weg in der Hauptstadt, sondern vor Ort, wo wir mit den Menschen sprechen, ihre Wünsche und Bedürfnisse kennen und helfen“, so erklärt sich Larry Nduka die Anerkennung auch durch die nigerianischen Bezirksvertreter. „Die Regierung in Togo unterstützt das Projekt“, berichtet Ekpe froh und und schöpft nicht zuletzt aus diesen Ermutigungen die Kraft, mit der Vereinsarbeit fortzufahren. „Die Belastungen für die Familie sind hoch und manchmal schaue ich dann ein paar Tage auch nicht in meine Mailbox“, sagt Anja Nduka nachdenklich, um dann fortzufahren: „Wir haben unseren Reichtum auf Kosten anderer erworben und wir müssen davon wieder zurückgeben.“

Afghanistan-Schulen Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan

Marga Flader und Tanja Khorrami berichten von ihrer Reise im Oktober 2009

Afghanistan – ein Land der Misserfolge, beherrscht von Krieg, Terror, Korruption und wirtschaftlich hoffnungslos, abhängig von ausländischen Geldgebern und in Sorge um die Zukunft, insbesondere nach den Unregelmäßigkeiten bei der letzten Wahl ….?

Die Mädchen freuen sich, weil ihre Schule in Chooghdak aufgestockt wird.Das alles trifft zu, sicher. Aber es gibt eben auch   unendlich viel anderes zu berichten: Von den Menschen und ihrem Leben in den Städten und Dörfern. In den letzten Jahren hat sich viel getan: Viele große und kleine Straßen wurden gebaut, der Verkehr in den Städten beginnt nach Regeln zu funktionieren. Die Elektrifizierung erreicht immer mehr Orte und der Strom ist dort meist rund um die Uhr verfügbar. Wasser ist nach wie vor ein Problem, aber auch daran wird intensiv gearbeitet. Die Pumpstationen und Wasserleitungen vom Amu Darya bis in die Region um Andkhoi sind fast fertig. Nun warten die Menschen auf das Folgeprojekt – die Leitungen bis in die Häuser. Dann werden sie endlich zumindest über Trinkwasser verfügen, das nicht versalzen ist. Auch das Wetter war gnädig in diesem Jahr, die Ernten sind gut. Das alles lässt hoffen – vorausgesetzt, die Sicherheitslage verschlechtert sich nicht noch weiter. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, die vielen Kontrollposten an den Straßen sind eines der Zeichen dafür.

In Andkhoi spüren die Menschen natürlich auch diesen Druck, aber im Augenblick ist dort die Situation immer noch ruhiger als anderswo. Überall wird gebaut: Häuser, Schulen, Straßen, Geschäfte und Tankstellen. Täglich wurde irgendwo eine Hochzeit gefeiert – Musik bis spät in die Nacht. Auch wir konnten an einer Hochzeit teilnehmen: Rahmanquls Sohn Mardan heiratete Hafiza aus Andkhoi und feierte dort mit vielen Freunden, – ein schönes Fest, mit vielen Gedanken an unseren unersetzlichen Freund und Regionaldirektor Rahmanqul. Besonders freute es uns, dass wir an diesem Tag erfuhren, dass nun endlich das Lycee Khancharbagh in Rahmanqul Shaheed Lycee umbenannt wird, ebenso wie zwei andere Oberschulen nach den anderen beiden ermordeten Schulleitern benannt wurden.

Wir waren diesmal zwölf Tage in Andkhoi. So hatten wir Zeit genug, viele Schulen und Projekte zu besuchen. Ganz besonders beeindruckt haben uns die vielen jungen Menschen (130 Jungen, 60 Mädchen), die nicht nur die Schulen besuchen, sondern morgens ab 7 Uhr an Englisch- oder Computerkursen teilnehmen und nach der Schule in unserem Education Center (EC) Zusatzunterricht u.a. in den Fächern Dari, Englisch, Mathematik, Physik, Chemie und Religion erhalten, um in drei Jahren den Unterrichtsstoff der letzten sechs Schuljahre zu vertiefen. Danach können sie noch ein halbes Jahr Extravorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die Universitäten erhalten. Eine lebhafte Diskussion im Ausbildungszentrum mit den JungenIn zwei Treffen mit den Jungen und Mädchen erlebten wir sie unglaublich offen, wissbegierig, zielstrebig, kritisch und zugleich von Herzen dankbar für die Möglichkeit, sich mit der Hilfe unseres Vereins hier im EC auf ein Studium vorzubereiten. In den Händen solcher Jungen und Mädchen, die es im ganzen Land gibt, wird die Zukunft Afghanistans sicher anders aussehen als die Vergangenheit.

Wie nötig Hilfe noch weiterhin ist, konnten wir an den staatlichen Schulen sehen. In einigen Schulen leisten die Schulleiter hervorragende Arbeit, halten Lehrer und Schüler an, ihr Bestes zu geben, sorgen dafür, dass eine gute Atmosphäre unter allen Mitarbeitern herrscht, die Gebäude gepflegt werden und auch verschiedene kulturelle und sportliche Aktivitäten in Gang kommen. Leider gibt es aber auch noch viele Schulen, die zwar gute Gebäude haben, nicht aber für guten Unterricht sorgen. Schulbücher für die Älteren sind kaum angekommen. Mal fehlen Lehrer, mal sind sie sehr schlecht ausgebildet. Die meisten Abgänger aus der 12. Klasse werden sofort als Lehrer eingestellt, wenn sie nicht zur Universität zugelassen sind. Der Lehrerbedarf ist gewaltig, denn immer noch steigen die Schülerzahlen. Da aber oft schon ihr Unterricht sehr dürftig war, gekennzeichnet durch mangelndes Lehrerwissen und mangelnde Schulbücher, können auch sie nicht viel mehr weitergeben, als das was in den Büchern steht. Wir trafen Lehrerinnen, die Englischunterricht gaben, ohne je Englisch gelernt zu haben. Diese jungen Lehrer müssen drei Jahre lang nach der Schule die Lehrerfortbildung besuchen und beziehen erst danach ihr volles Gehalt. Bei einem Treffen versprachen uns die Verantwortlichen der Schulbehörden in den vier Bezirken um Andkhoi und alle Schulleiter, sich noch intensiver um Hilfe aus Maimana (Schulamt der Provinz) und Kabul (Bildungsministerium) zu bemühen und auch die einzelnen Schulen stärker zu unterstützen. Sie waren sehr dankbar für die gerade eingeweihte Jungenschule, die wir mit Hilfe von MISEREOR errichten konnten.

Kleinere Reparaturen werden jetzt schon von den Parents-Teacher-Associations (PTA) übernommen: Sie ersetzen Fensterscheiben, decken Dächer für den Winter mit einer neuen Lehmschicht, streichen Wände und flicken Mauern. Für manche Arbeiten baten sie uns um Hilfe für die Materialkosten. Große Reparaturen, wie die Erneuerung aller Fenster nach einem Termitenbefall, werden wir aber voll finanzieren müssen. In dem einen oder anderen Dorf sind auch Schulneubauten unbedingt nötig. In Galikhana etwa werden mehr als 400 Mädchen in 4 Klassenräumen unterrichtet, die sie selbst als Viehställe bezeichnen. Im Sommer sitzen sie unter den Bäumen. Während die Ältesten in die 7. Klasse gehen, wurden gerade zwei neue 1. Klassen mit jeweils rund 50 Kindern registriert. Der sehr engagierte Schulleiter versprach, mit Hilfe des Dorfes eine Mauer um die zukünftige Schule zu bauen. Die Dorfältesten bitten uns (bereits zum dritten Mal) um eine Schule für ihre Jungen und Mädchen.Wir wollen versuchen, Geld für diese neue Schule zusammenzubekommen. Ähnlich ist es auch in einem weiteren Dorf. Auch dort wären alle Dorfbewohner sehr glücklich, wenn sie in den nächsten Jahren eine Schule bekämen und sie sichern ihre volle Unterstützung zu.
In einigen abgelegenen Gebieten, wo sich früher die jungen Mädchen hinter ihren Tüchern versteckten, erlebten wir in Schulen und Homeschools sehr aufgeschlossene und wissbegierige Mädchen, die von ihren Lehrern mehr Unterricht, mehr Material und mehr Unterstützung forderten. Einige von ihnen können jetzt, nachdem die Straßen ausgebaut sind, ab der 10.Klasse das Teacher-Training-College in Andkhoi besuchen, um dort in fünf Jahren zur Lehrerin ausgebildet zu werden. Ganz offensichtlich haben sie dafür die Unterstützung ihrer Väter – was vor ein paar Jahren kaum denkbar gewesen wäre. Viele Mädchen, aber auch ihre Mütter und Tanten, kamen zum Frauentag am 8.10.2009 in unserem EC und genossen die vielen Möglichkeiten miteinander zu reden, zu spielen und Sport zu treiben. In einer sehr schön gestalteten Zeremonie erhielten danach Studentinnen der Homecourses, Computer- und Englischkurse ihre Abschlussdokumente.

Sehr viel Freude hatten wir in einem Dorf in Khancharbagh, wo wir 5 der 23 Familien besuchten, die an unserem ersten Hühnerprojekt teilnehmen. Die Mutter eines Lehrers versorgt 20 Hühner versorgt, die wir ihr und weiteren Familien gegeben haben. Nach ihrer theoretischen Ausbildung hatten sie jeweils 20 Hühner bekommen und für sie kleine Ställe aus Lehm gebaut. Die Frauen waren sehr glücklich, demnächst mit dem Verkauf von Eiern ein kleines Einkommen erzielen zu können. Weitere 100 Familien in verschiedenen Dörfern erhalten gerade ihre theoretische Ausbildung. Auch an diesem Tag hatten wir wieder vor Augen: Die Arbeit unseres Vereins lohnt sich, sie trägt Früchte, auch wenn es manchmal sehr langsam voran geht. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung für weitere Projekte!

In Mazar-e-Sharif konnten wir an drei Tagen 4 Schulen besuchen: In der Mittelschule Chooghdak wurde das noch im Rohbau befindliche neue Stockwerk bereits von mehreren Klassen genutzt. In den Pausen drängten sich die Kinder um die Spielgeräte, die im Frühsommer aufgebaut wurden.Dieses Gebäude wurde 2002 für Rückkehrer aus Pakistan gebaut und wird jetzt aufgestockt, weil die Schülerzahlen gestiegen sind.

Der Schulleiter der fast fertigen Landwirtschaftsschule teilte uns begeistert mit, dass Behördenvertreter diese von uns gebaute und gut ausgestattete Schule mit dem neuen Internat für 80 Schüler besucht hätten. Sie waren sehr beeindruckt. Am Tag unseres Besuches hatte er gerade die offizielle Mitteilung erhalten, dass die Fachoberschule in ein Institut umgewandelt wird. Ab sofort können die Jungen – und das bisher einzige Mädchen – dort nach der 12. Klasse zwei weitere Jahre lernen. Danach können sie entweder direkt in der Landwirtschaft einen guten Job bekommen oder aber zwei weitere Jahre an der Universität studieren, ein großer Fortschritt für diese Schule und vor allem die Schüler.

Eine weitere Schule, Maqsadullah Shaheed, deren zweistöckiges Gebäude mit unserer Hilfe und dem Geld vom Auswärtigen Amt (AA) noch in diesem Jahr fertig werden soll, beeindruckte nicht nur uns, sondern auch den Vertreter des AA und seinen begleitenden Kultur-Offizier! Insbesondere konnten wir eine junge Lehrerin in ihrer Chemieklasse sprechen, die ganz offen ihre Probleme im Unterricht ansprach und um ein gutes Labor für die neue Schule bat. Das wäre eine sehr gute Investition an dieser Schule, in der wirklich ausschließlich gut ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen arbeiten.

Der Vertreter des AA begleitete uns noch zur Nahr-e-Top Mädchenschule, die für ihre mehr als 3000 Schülerinnen Die Nahr-e-top-Mädchenschule benötigt ein neues Gebäude.und 60 Lehrerinnen dringend ein neues Gebäude braucht. Das Land dafür ist vorhanden und die Schulleiterin versprach auch hier, mit Hilfe der Gemeinde eine Mauer um das 6.000 m² große Schulgelände zu errichten, bevor die Schule gebaut wird.

Für die vielen Projekte und neuen Schulen in Andkhoi werden wir in den nächsten Jahren noch sehr viel Geld benötigen. Auch wenn wir öffentliche Förderung erhalten, müssen wir meist 25 % der Kosten aus Spenden tragen. Wir verlassen uns dabei – wie immer – auf Ihre Unterstützung bei unserer Hilfe, die Schule macht!

Afghanistan-Schulen
Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V.
Deefenallee 21
22113 Oststeinbek
Telefon 040/7122467

Mail: Flader@Afghanistan-Schulen.de

http://www.Afghanistan-Schulen.de

Spendenkonto: Haspa (200 505 50) Nr. 1008225805

Weltladen Schrittmacher

„Weltläden müssen sich als Trendsetter verstehen und Lanzen brechen für fair gehandelte Produkte“, fordert Marten Freund. Keine ideologischen Überlegungen, sondern wirtschaftliches Kalkül veranlassen den Kieler Feinkosthändler zu der Aussage. In seinem Schlemmermarkt verkaufen sich besonders Kaffee und Tee aus fairem Handel besonders gut.

„Der Fairtrade-Bereich ist ausbaufähig; es müsste noch viel mehr Produkte, wie beispielsweise Nudeln, im Lebensmittelbereich geben“, sagt Freund. Von insgesamt 35.000 vorrätigen Artikeln in seinem Geschäft stammen 100 aus fairem Handel und 1000 Artikel sind Biowaren. Das Bewusstsein habe sich geändert und vor allem junge Menschen seien offen für ,Ökoangebote‘. „Die Bioläden haben es vorgemacht und die Supermärkte ziehen nach, denn die Kunden wollen ihren gesamten Einkauf in einem Geschäft erledigen – ob sie nun Bio-, Fairtrade- oder konventionelle Produkte kaufen.“

Kein Verständnis hat der 41-Jährige für solche Weltläden, die sich gegen jede moderne marktwirtschaftliche Entwicklung sperren. „Einige sind so altbacken, da fehlt nur noch das Räucherstäbchen.“ Freunds unternehmerische Devisen lauten, 1. ein Unternehmen muss seinen Umsatz steigern und 2. ein Unternehmer braucht Ziele, sonst fehlt ihm der Ansporn: „Ohne Ziel kannst du deinen Laden auch gleich wieder schließen.“ Eine ,schöne‘ moderne Ausstattung, gut bezahlte Angestellte, ein nettes Ambiente, ein gutes Betriebsklima, eine kleine Caféteria mit Kaffee zum Mitnehmen sind Freunds Ideen für einen Weltladen-Relaunch (Neustart). „Dann geht die Geschichte auf und es werden mehr Fairtrade-Produkte verkauft“.

P.S. Wie wäre es mit einer Pasta-Woche im Kieler Weltladen, vielleicht würden die Fairtrade-Nudeln dann ihren Weg in die Kieler Supermärkte finden? :-)

Marten Freund führt in Kiel einen Feinkost-Supermarkt mit zwei Niederlassungen und insgesamt 70 Angestellten.

Modernes Marketing und unverwechselbare Identität in den Weltläden: Unvereinbare Gegensätze oder zwei Seiten einer Medaille?

Es geht um Nord-Süd-Solidarität und darum, das Wissen über fair gehandelte Produkte und die Produktionsverhältnisse in den Ländern des Südens an die Kunden weiterzugeben. Es geht um Identität mit dem Geschäftsmodell Weltladen und um die Werthaftigkeit der Produkte. Es geht darum, aktiv zu sein für mehr Gerechtigkeit in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen wohlhabenden und armen Handelspartnern. Es geht um Aufklärung junger Menschen:

Das Engagement in Weltläden verbindet praktisches und ‚richtiges’ Handeln.


Auf dieses Verständnis der Weltladenarbeit verständigten sich die DiskussionspartnerInnen aus dem Weltladen Kiel und dem Weltladen Neumünster beim Austausch über die Frage, ob ein auf steigenden Umsatz ausgerichtetes Marketing der Weltladenidee nütze oder schade.

An einem lauen Spätseptembertag empfingen die beiden Gastgeberinnen Eva-Lotta Göllner-Rohweder und Petra Rothenburg-Bahr aus Neumünster vier Gäste aus Kiel. – Die Enttäuschung darüber, dass einige Diskussionspartnerinnen abgesagt hatten, gesellte sich zu der kleinen Runde. Während noch beim Tee- und Kaffeekochen das Tageslicht schnell erlosch, wollten Müdigkeit und Frustration überwunden werden: Bestätigte nicht die Absage einiger Gäste die eigenen Zweifel, ob solch eine Diskussion Sinn macht? – Doch das war nicht das Thema des Abends!


Weltladen NeumünsterVom Neuanfang „ihres“ Weltladens vor sieben Jahren berichtete das Team aus Neumünster: „Mit einer ganz neuen Gruppe von sieben Frauen und Männern haben wir uns darauf verständigt, dass wir im Weltladen eine neue, moderne und ansprechende Ladeneinrichtung haben, unseren Kunden „normale“ Ladenöffnungszeiten bieten und außerdem eine hauptamtliche Stelle schaffen wollten“, erzählte Eva-Lotta Göllner-Rohweder – und damit lagen zwei kontrovers diskutierte Themen auf dem Tisch:


1. Hauptamtliches versus ehrenamtliches Engagement:

Wir haben bei uns im Weltladen in Kiel die Erfahrung gemacht, dass sich haupt- und ehrenamtliche Arbeit nicht vereinen lassen, weil die Ehrenamtler dann die Verantwortung an die hauptamtliche Kraft abgeben“, sagte Sabine Haft. An der Ungleichgewichtigkeit zwischen bezahltem und unbezahltem Engagement sei das Kieler Team fast zerbrochen, ergänzte Jürgen Stolzenburg, „alle waren nachher demotiviert, also haben wir die Stelle gestrichen“. Andere Prioritäten setzten die „Neumünsteraner“ in ihrem Team. „Eine Person muss konstant im Laden sein, den Überblick über die Geschäfte haben und für alle die Ansprechpartnerin sein“, urteilte Eva-Lotta Göllner-Rohweder. „Die Verantwortung lastet bei uns jedoch auf wenigen Schultern“, bekannte Petra Rothenburg-Bahr. Mit etwas Wehmut und mit Erstaunen hörte sie vom Alltag des 20-köpfigen Weltladenteams, das basisdemokratisch an allen Entscheidungsprozessen arbeite. „Das bedeutet allerdings, dass Änderungen nur mühsam ,erfochten’ werden“, berichtete Sabine Haft und strich danach die besondere Situation in „ihrem“ Weltladen hervor: „Bei uns ist die Fluktuation sehr hoch, weil wir viele Studenten und Studentinnen bei uns haben. Daher muss vieles ständig wiederholt und unser Selbstverständnis regelmäßig neu definiert werden, aber wir haben dadurch auch immer Leute, die in unterschiedlichen Bereichen kompetent sind und sich an allen Prozessen beteiligen wollen.“ Ganz anders sieht die Situation im Weltladen in Neumünster aus: „In der derzeitigen Form besteht unser Team seit drei bis vier Jahren, dadurch ist die Verlässlichkeit gegeben, die wir benötigen, um wirtschaften zu können; wir müssen schließlich jeden Monat hier die Kosten decken“, erklärte Eva-Lotta Göllner-Rohweder.

Kritisch merkten die „Kieler“ an, dass ihr EngageWeltladen Kielment insofern ausbeuterische Züge habe, als die Arbeit im Weltladen keine Möglichkeit zur eigenen Versorgung biete. „Ehrenamtliches Engagement ist nur möglich, wenn die Leute finanziell abgesichert sind“, erklärte Annette Gille.


2. Marketingstrategien versus Marketingmaßnahmen
Wir haben uns der Linie des Weltladendachverbandes angeschlossen, um unseren Umsatz zu steigern und wir wachsen tatsächlich“ berichtete Eva-Lotta Göllner-Rohweder. „Je mehr wir verkaufen, desto mehr helfen wir den Produzenten und das ist schließlich unser Ziel: Den Fairen Handel nach vorne zu bringen“, ergänzte Petra Rothenburg-Bahr. „Wollen wir die Wirtschaftsbedingungen nachhaltig verändern, müssen wir unser Verständnis von Wachstum überdenken, schließlich verkaufen wir in den Weltläden viele Produkte, auf die wir hier auch verzichten könnten – wie beispielsweise Kunsthandwerksartikel“, forderte Sabine Haft. „Die Verantwortung über die Kaufentscheidung überlassen wir dem Kunden; unsere Aufgabe ist der Handel mit fair gehandelten Waren“, antwortete Eva-Lotta Göllner-Rohweder. Ob durch eine Verkaufsstrategie, die alle Weltläden auf eine „Linie“ zu bringen versuche, die Grenze zwischen fairem und konventionellem Handel überschritten werde und zu einer unkritischen Fixierung auf die Umsatzergebnisse führe, fragte Sabine Haft. „Wo bleibt beispielsweise die Solidarität mit kleinen Weltläden, wenn es bei unseren Einkäufern Rabatte für die Weltläden gibt, die hohe Stückzahlen abnehmen?“ „Wir wollen durchaus Wachstum. Aber das wollen wir nicht um den Preis, dass professioneller Verkauf als das verstanden wird, was Hauptamtler Ehrenamtlern vermitteln“, erklärte Annette Gille. „Eine alle Bereiche umfassende Marketingstrategie passt nicht zu unserem Team, einzelne Maßnahmen wollen wir jedoch in Angriff nehmen. Wie lehnen eine blinde Wachstumsideologie ab, wollen unseren Umsatz jedoch durchaus steigern“, resümierte schließlich Jürgen Stolzenburg.

Und das Fazit?


  • Der laue Septembertag war einer klaren Septembernacht gewichen.
  • Das wird sich zeigen!

Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit – jetzt geht es bei uns richtig los!

Anfang September 2009 startete die erste Diskussionsrunde des BEI-Projektes „Eine Welt im Blog“. No more Slum aus Nortorf und die Tansania-Gruppe Heikendorf trafen sich an einem spätsommerlich freundlichen Nachmittag im Gemeindehaus in Heikendorf: Während sich die Vorhänge im Seminarraum langsam vor den hellen, wärmenden Sonnenstrahlen schlossen, wandten sich acht Augenpaare neugierig dem Referenten Ole Seidenberg zu.

Mehrere tausend Euro im Jahr benötigen beide gemeinnützigen Vereine, um Ihre Projekte in Tansania und auf den Philippinen am Leben zu erhalten. Über hundert Kindern und Jugendlichen wird mit den Spendengeldern aus Deutschland die Schule und/oder die Ausbildung in den jeweiligen Ländern finanziert: Der Ansporn ist groß – nicht zuletzt aufgrund jahrelang gewachsener Kontakte, doch mit Spendenaufrufen in Werbebroschüren und auf Veranstaltungen wird es immer schwieriger, die benötigte Summe zu erzielen. An Ideen, wie die Einnahmen gesteigert werden können, mangelt es den VereinsmitgliederInnen nicht:

  1. Ein Film über die vom Kirchenkreis KaffeeAltholstein und auch von der „Tansania-Gruppe Heikendorf“ unterstützten AIDS-Waisen in Ostkilimanjaro und in Mrimbo soll den ZuschauerInnen einen Einblick in das Leben der Kinder und Jugendlichen dort verschaffen. Gesucht werden Möglichkeiten, den Film möglichst vielen Interessierten zu zeigen.

  2. Mit einem Philippinen-Quartett will „No More Slum“ das Interesse für den Insel-Staat und die Arbeit des Vereins wecken. Doch noch fehlt dem Spiel mit den vielen Informationen zur Flora und Fauna des Landes ein Investor, der die Produktion des Spiels finanziert.

QuartettDie höchsten Beträge werden heute online gespendet“, informierte Ole Seidenberg die Anwesenden über die Bedeutung des Internets für Fundraisingzwecke. Mit fast 60 Euro gäben Internetnutzer im Schnitt rund vier Mal so viel wie eine Person, die auf der Straße um eine Spende gebeten werde. Überhaupt wusste der durch die „Aktion Uwe“ in Hamburg bekannt gewordene Soziologe den Eine-Welt-Akteuren einiges über den Nutzen des Web 2.0 zu berichten. „Junge Menschen nutzen das Internet täglich mehrere Stunden. Dort informieren sie sich und tauschen sich aus.“ Der Flut an Informationen werde von dem potentiellen Nachwuchs mit neuen Selektionsmechanismen begegnet: „Auch Sie lesen nicht jede Zeitung, die es zu lesen gibt.“ Anstelle anerkannter Marken, die für ein bestimmtes Qualitätsmerkmal bürgten, trete die Empfehlung von Freunden. „Wenn mir etwas gefällt oder interessant erscheint, informiere ich meine Freunde über Internet, das geht schnell, ist unaufdringlich und nicht teuer.“

Wie kann ich als Leser wissen, ob die Geschichte beispielsweise über Uwe nicht erfunden ist?“ „Wie kann ich mich bei dem Riesenangebot im Internet überhaupt bemerkbar machen?“ und „Wie kann bei der Anonymität des Internets überhaupt ein Austausch entstehen, der Menschen zur Mithilfe veranlasst?“ Die Fragen sprudelten – die Antworten auch: Ja, auch im Internet gebe es Betrug, sagte Ole Seidenberg. Doch im Gegensatz zum Zeitungsleser oder zum Fernsehzuschauer bestehe für den Internetnutzer heute die Möglichkeit, zu Texten, Bildern und Filmen im Web 2.0 online Fragen zu stellen und Kommentare und Bewertungen abzugeben. Ja, viele gemeinnützige Vereine und Organisationen versuchten inzwischen im Internet für ihre Zwecke zu werben, daher bestehe durchaus Konkurrenzdruck. Und ja, der Austausch im Internet zeichne sich durch spontane und lockere Bindungen aus. Doch biete diese Anonymität auch den Freiraum, eigene Ideen einzubringen und das Engagement nach den eigenen Möglichkeiten zu dosieren.

Ein paar grundlegende Tipps für die Überarbeitung der Homepage gab es zum Schluss:


  • Was wollen wir? – Ziel definieren
  • Was tun wir? – Sagen, wie geholfen wird
  • Wem helfen wir? – Die Menschen zeigen, denen geholfen wird
  • Wer sind wir? – Vereinsmitglieder vorstellen
  • Wie viel Geld brauchen wir? – Spendenziel definieren
  • Spenden leicht machen über die Installation eines Spendenknopfes auf der eigenen Homepage
  • Kommentarfeld einrichten, um den Austausch mit anderen Internetnutzern zu ermöglichen

Und wie ging es weiter?


Ansätze zur Ausführung der anfangs genannten Vorhaben wurden skizziert. Inspiriert und guter Dinge gingen die TeilnehmerInnen schließlich am Abend ihrer Wege. Sicher in dem Wissen: Es gibt viel zu tun und viele Möglichkeiten, es anzupacken.

Übrigens:


  • Für die Überarbeitung und den Druck des Philippinenquartetts werden Interessierte gesucht.
  • Für den Vertrieb des „Kilimanjaro-Kaffees“ werden weitere Vertriebswege gesucht. Wer sich vom Geschmack des Kaffees überzeugen will, kann das in Heikendorf im Weltladen im Kirchturm tun (Tel. 0431/ 248 770 oder 0431/24473).